Naturpark Schwarzwald
Mitte/Nord


Besiedlungsgeschichte

Vor Einfluss des Menschen war der Schwarzwald ein einziges zusammenhängendes Waldgebiet. Noch die Römer fanden dichte, nahezu undurchdringliche Wälder vor.

Die erste menschliche Siedlung, eine Keltensiedlung, entsteht 2500 v. Chr. in Neuenbürg. Rodungsflächen beweisen die Anwesenheit der Kelten etwas später auch im oberen Murgtal. Mit der Besiedlung des Oberrheingrabens und der fruchtbaren Ebenen im Osten durch die Römer, werden erste Städte und Siedlungen am Rande des heutigen Naturparks gegründet. Die zentralen Waldflächen bleiben aber weiterhin nahezu unberührt.
74 n. Chr. quert die erste befestigte Römerstraße den Schwarzwald, von Straßburg über Offenburg, durch das Kinzigtal nach Tuttlingen.

Durch massive Abholzung entwaldete Hänge rund um den "Wilden See" bei Schönmünzach. Historischer Stich aus dem Jahre 1800


Im frühen Mittelalter beginnt die eigentliche Erschließung des Schwarzwaldes durch Klöster und Pfalzgrafen, zunächst beschränkt auf die Bachtäler. Durch Rodungen entstehen erste ländliche Siedlungsformen.
Die Intensivierung der Holznutzung, z.B. durch Köhlerei, Flößerei oder die Glasherstellung, und der aufkommende Bergbau führen im 13. Jh. zu einer ersten starken Erschließung der Wälder. Gleichzeitig entstehen im ausgehenden Mittelalter durch die Nutzung heilsamer, warmer Quellen erste Bäder und Kurorte, wie zum Beispiel Bad Teinach-Zavelstein, Bad Liebenzell und Bad Wildbad.

Mit zunehmender Besiedlung dehnt sich die Landwirtschaft aus den Dörfern und Klöstern in den Wald hinein aus. Durch intensive Beweidung entstehen die typischen Grinden - waldfreie, magere und artenreiche Weidelandschaften in den Hochlagen des Schwarzwaldes.

Im 18. Jh. gelangt der Schwarzwald zur wirtschaftlichen Blüte, zum einen durch die großen Flößergesellschaften wie Murgschifferschaft und Calwer Holländer Holzkompanie, welche riesige Holzmengen - die sogenannten "Holländertannen" - bis zum Niederrhein vermarkten, zum anderen durch den Bergbau. Durch diese kommerzielle Ausbeutung und ungeregelte Abholzung kommt es zur Verwüstung der ehemals vorratsreichen Wälder. Die entstehenden Kahlflächen werden beweidet. Erst gegen 1850 wird dem Verlust von Waldflächen durch gezielte Aufforstungen mit Fichte und Kiefer entgegengewirkt.

Die Flößerei war eines der wichtigsten Waldgewerbe.


Mit zunehmender Industrialisierung Ende des 19. Jh. ist der Niedergang der typischen Schwarzwaldgewerbe, wie Flößerei, Köhlerei und Glasverhüttung, vorprogrammiert. Auch die Eisenerz- und Silbervorkommen sind weitgehend abgebaut. Zeugen des historischen Bergbaus sind Besucherbergwerke an verschiedenen Orten im Naturpark. 1896 treibt das letzte Floß die Murg hinunter. Gleichzeitig gewinnt das Kur- und Bäderwesen an Bedeutung. Baden-Baden wird die Sommerhauptstadt Europas. Tourismus wird eine der Haupteinnahmequelle des Schwarzwaldes.

Für die Besucher des Schwarzwaldes lassen einige Orte die Köhlerei wieder aufleben - Kohlenmeiler bei Baiersbronn.


10.03.10
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