Der Mensch erobert den Wald



Der Schwarzwald nimmt Gestalt an

Der Schwarzwald in seiner heutigen Gestalt war in den vergangenen 2000 Jahren einem steten Wandel unterzogen. Als die Römer in dieses Gebiet vordrangen, fanden Sie ein dichtes, nahezu undurchdringliches Waldgebiet vor, nur vereinzelt sind Siedlungsspuren keltischer Stämme belegt. Eine erste befestigte Römerstraße entstand um 74 nach Christus – von Straßburg durch das Kinzigtal nach Tuttlingen. Die eigentliche Besiedlung des Gebiets beginnt im frühen Mittelalter. Durch Rodungen entstehen erste ländliche Siedlungen. In den folgenden Jahrhunderten führt die intensive Holznutzung zu einer immer stärkeren Erschließung: Köhler, Flößer und Glasbläser üben ihr Handwerk aus und prägen den Schwarzwald für viele Generationen.

„Köhler, Flößer und Glasbläser üben ihr Handwerk aus und prägen den Schwarzwald für viele Generationen“

Durch die zunehmende Besiedlung werden immer mehr Flächen landwirtschaftlich genutzt. So entstehen durch intensive Beweidung die typischen Grinden – waldfreie, magere und artenreiche Weidelandschaften in den Hochlagen entlang der heutigen Schwarzwaldhochstraße. Durch Bergbau und Flößerhandwerk erlebt der Schwarzwald im 18. Jahrhundert eine wirtschaftliche Blüte. Die kommerzielle Ausbeutung und ungeregelte Abholzung führt aber auch dazu, dass einst vorratsreiche Wälder verwüstet werden. Die entstehenden Kahlflächen werden beweidet. Erst um 1850 beginnt die Wiederaufforstung mit Kiefern und Fichten. Das typische und jahrhundertealte Schwarzwaldgewerbe geht mit dem Beginn der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts zu Ende. Das letzte Floß treibt 1896 die Murg hinunter – die Eisenbahn übernimmt ab jetzt diese Aufgabe. An Bedeutung gewinnt der Fremdenverkehr mit seinem Bäder- und Kurwesen. Zeugen der historisch reichen Geschichte finden sich noch heute an vielen Orten im Naturpark.

„Durch intensive Beweidung entstehen waldfreie, magere und artenreiche Weidelandschaften – die Grinden“

War früher die Landwirtschaft für die Bewohner des Schwarzwalds überlebenswichtig, ist das Bild heute ein gänzlich anderes: Nur noch ein knappes Drittel der Fläche des Naturparks ist landwirtschaftliche Nutzfläche. Vielerorts ist die Landwirtschaft auf dem Rückzug – die Bewaldung nimmt zu. In einzelnen Gemeinden liegt der Waldanteil bei mehr als 90 Prozent. Viele landwirtschaftliche Betriebe geben auf, weil sich die schwere Arbeit nicht mehr lohnt. Ehemals offene Flächen werden zu Wald. Dadurch droht der Schwarzwald seine charakteristische Kulturlandschaft zu verlieren. Hier setzt der Naturpark mit seiner Arbeit an: Die Unterstützung der bäuerlichen Landwirtschaft durch die Vermarktung regionaler Erzeugnisse ist eine seiner Hauptaufgaben.

Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord

Mühlrad im Murgtal

Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord

Urige Schwarzwaldhöfe

Gerhard Maier Tourist-Information Wolfach

Wertvolles Treibgut

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