Naturpark Schwarzwald
Mitte/Nord


Historie

Die Siedlung „Genrespach villa“ geht vermutlich auf Weidebauern aus dem fränkischen Raum zurück. In den Jahren zwischen 1219 und 1243 entwickelte sich die Siedlung an der Murg allmählich zur Stadt, denn im Jahre 1243 wird das heutige Gernsbach urkundlich als „in oppido Gernsbach“ genannt. Der Bischof von Speyer übte bis 1803 die Lehenshoheit über Gernsbach aus und es ist anzunehmen, dass die Gemarkung Gernsbach einst zum „Königsgut Rotenfels“ zählte, die Heinrich III. bereits im Jahr 1041 dem Domstift Speyer schenkte.

Die geografische Lage dürfte wohl der Hauptgrund für die Gründung der Siedlung und die Erhebung zur Stadt gewesen sein. Gernsbach liegt am Eingang des mittleren Murgtales, das sich als eine sehr enge Schlucht bis nach Schönmünzach hinzieht. Um den „verkehrstechnischen“ Engpass zu umgehen, wurde schon im Mittelalter – vermutlich auch durch die Römer – eine Querverbindung von Baden-Baden nach Gernsbach geschaffen. Diese Querverbindung verläuft weiter von Gernsbach in südöstlicher Richtung auf den Höhen der Rechten Murgseite. Es ist die heutige „Alte Weinstraße“.

Eine Brücke über die Murg – wahrscheinlich an der selben Stelle, an der die heutige Stadtbrücke steht – verband die beiden Flussufer und so übernahm Gernsbach schon früh die wichtige Aufgabe eines Verkehrsknotenpunktes. Bald siedelten sich auch Handwerker, Händler und Kaufleute an dem kleinen Städtchen an. Einen gravierenden Aufschwung erhielt das Wirtschaftsleben im hohen Mittelalter durch den umfangreichen Weinbau im gesamten Einzugsbereich der Stadt. Gernsbach wurde Umschlagplatz für die Weinfrachten im württembergischen Raum und für Korn und Salz, das als Rückfracht diente.

Altes Rathaus in Gernsbach


Die Stadt wurde Hauptort der Grafschaft Eberstein und die bisher ansässigen Grafen erbauten oberhalb der Stadt eine neue Burg, die im Jahr 1272 erstmals urkundlich erwähnt wird. Mit einer Mauer befestigt dürfte Gernsbach schon um 1272 gewesen sein. Die Befestigung wurde im Laufe der Jahrhunderte erweitert und verstärkt. Bereits um 1266 standen sieben Häuser im Raum der heutigen Igelbachstraße, ebenso eine Mühle in der heutigen Bleichstraße. Gernsbach war bis 1387 im Alleinbesitz der Ebersteiner.

Der Holzreichtum im Schwarzwald verhalf auch dem Murgtal und damit Gernsbach zu einem weiteren wichtigen Wirtschaftszweig neben dem bestehenden Weinbau, der Viehzucht und den Handwerksbetrieben. Ab dem 15. Jahrhundert kam die Murgschifferschaft hinzu. Man begann mit der systematischen Ausnutzung des vorhandenen Holzreichtums vor allem im mittleren Murgtal. Gernsbach wurde Sitz dieser Waldgenossenschaft und Ihrer Einrichtungen, den Sägewerken, der Flößerei und dem Holzhandel. Der Holzhandel legte schließlich auch den Grundstein zu den heute im Murgtal stark vertretenen Industriebetrieben der Papier- und Pappe-Erzeugung.

Der Reichtum vergangener Tage ist auch heute noch in Gernsbachs Altstadt zu bewundern. Einmalige Fachwerkbauten und verwinkelte Gassen, ebenso Teile der Stadtbefestigung, sind bis heute erhalten geblieben. Unter anderem die beiden Kirchen, der Storchenturm, das Alte Kornhaus und die Zehntscheuern. Alle Gebäude ringen Sich um den historischen Marktplatz im Herzen der Altstadt. Dort ist auch das weithin bekannte Alte Rathaus zu finden, das der einflussreiche Murgschiffer und Holzhändler Johann Jakob Kast 1617/1618 durch den Heidelberger Hofbaumeister Johann Schoch im Stile des Spätbarock errichten ließ.

08.02.12
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