Hänferdorf
Im sogenannten Hänferdorf (6) befindet sich mit dem Haus Nummer 17 in der Mühlenstraße, dem Wohnhaus einer ehemaligen Getreidemühle, das zweitälteste Haus der Stadt. Hier standen einst am Mühlbach fünf Getreidemühlen und elf Hanfstampfen, denen das Stadtviertel Hänferdorf seinen Namen verdankt. Das Gebiet war ländlich geprägt und die Hänfer verarbeiteten bis Anfang des 19. Jahrhunderts den Hanf, der im Bühler Umland vorzüglich gedieh. Ebenfalls eine Mühle befand sich in der Mühlenstraße 34, dem heutigen "Haus Morath". In der Blumenstraße 10 steht das älteste Haus Bühls, auch eine ehemalige Mühle, errichtet in den Jahren 1627/28. Das Hotel "Grüne Bettlad" (6a) in der Blumenstraße 3 ist eines der bekanntesten Bühler Gasthäuser. Wie die Chronik berichtet, nannte sich die Wirtsstube anfänglich einmal "Eintracht". Die Wirtin hieß Adelheid und soll es mit der Treue zu ihrem Ehemann nicht allzu ernst genommen haben. Dieser fand sie eines Tages zusammen mit ihrem Liebhaber in der grünen Bettlade, dem ehelichen Himmelbett. Der Haussegen hing von Stund an schief und die Eintracht war beim Teufel. Schadenfrohe Nachbarn aber betitelten das Wirtshaus nunmehr spöttisch als die "Grüne Bettlad".
Kirche "St. Peter und Paul"/Markt- und Kirchplatz
Ausgangspunkt des Stadtrundgangs ist bei der Kirche (1) auf dem Markt- und Kirchplatz (2) im Stadtzentrum. Hier findet jeden Montag und Samstag der Wochenmarkt statt, auf dem hauptsächlich regionale Produkte angeboten werden. Für das Stadtbild bestimmend sind die beiden Kirchenbauten im Zentrum. Der kleinere wurde zwischen 1514 und 1524 im spätgotischen Stil erbaut. Im Turmeingang sieht man noch das gotische Netzgewölbe und die gotische Fensterrose. 1879-1882 wurde die zu klein gewordene Kirche zum Rathaus (2a) umgestaltet. Dem gottesdienstlichen Leben der katholischen Gemeinde dient seither die 1872 bis 1877 von Architekt Karl Dernfeld errichtete Kirche "St. Peter und Paul". Die Kirche ist 60 m lang und 24 m breit und besitzt einen 63 m hohen durchbrochenen Turm. An der zur Hauptstraße gewandten Fassade des Rathauses steht die Kopie eines römischen Meilensteins (2b), dessen Inschrift die Entfernung zur nächsten großen Garnisonsstadt Mainz in römischen Meilen angibt. Das Original des Steins befindet sich heute im Bühler Stadtmuseum.
Bühlot/Sonnengasse und Stadtmuseum
Unmittelbar an der Brücke der Bühlot (3), wo jetzt das Hotel Badischer Hof steht, befand sich im 16. Jahrhundert der Hof der Herren von Windeck, später auch Hüfflischer Hof genannt. Das Wappen auf der Frontseite des Gebäudes wurde bei dem um das Jahr 1800 erfolgten Neubau in die Fassade integriert; es handelt sich um das alte Allianzwappen der Familien von Windeck und von Reinach aus dem 16. Jahrhundert. Das 1734 gestiftete Standbild des heiligen Nepomuk stand von 1868 bis 1949 am Johannesplatz. Der Fußweg an der Bühlot entlang der Sonnengasse, eine der schönsten Gassen Bühls, führt in der ersten Passage nach links zur Schwanenstraße. Die Schwanenstraße ist eine der ältesten Bühler Straßen und hieß im 18. Jahrhundert noch Kornlaubgasse, weil sich hier eine Fruchthalle für den Verkauf von Getreide befand. Das Gasthaus Schwanen (4a) gehört zu den traditionsreichsten Gasthäusern der Stadt und wurde 1628 erstmals erwähnt. Das 2007 neu eröffnete Stadtmuseum (4) stammt aus dem Jahre 1669. Der moderne Anbau ist eine gelungene Symbiose mit dem historischen Bürgerhaus eingegangen. Auf zwei Etagen erfährt der Besucher Wissenswertes über die Geschichte und Entwicklung der Stadt Bühl. Das Stadtmuseum kann dienstags von 9.00-13.00 Uhr sowie donnerstags und sonntags von 14.00-18.00 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.
Johannesplatz
Auf dem Johannesplatz (5) begrüßt die 1987 von Heino Breilmann geschaffene Skulptur des "Quetschebur" (Zwetschgenbauer), der einen Korb mit Bühler Zwetschgen auf dem Kopf balanciert, erinnert an die bis heute andauernde Bedeutung der Frucht für die Region. An der Stelle des Eiscafés Italia stand die 1824 erbaute Synagoge, die am Morgen nach der Reichspogromnacht 1938 einer Brandstiftung zum Opfer fiel und an die heute ein Gedenkstein erinnert. An der Stelle des kleinen Wasserkanals in der Platzmitte floss früher der Gewerbekanal, der auch durch das Hänferdorf führte.
Johannespassage -- Stadtgarten
Die ehemalige "Gude Stub" (7), heute Restaurant "Casa Antica", ist ein altes Bühler Haus. Rechts vor der "Gude Stub" lohnt sich ein Abstecher in die Johannespassage, die vor allem an warmen Sommerabenden zum Verweilen einlädt. Weiter geht es in Richtung Franz-Konrad-Straße zu dem 1992 eigens zu Ehren der Bühler Zwetschgen errichteten Quetschebrunnen (Zwetschgenbrunnen) (8). Das Bürgerhaus Neuer Mark (9), das Bühler Kulturzentrum mit der Skulptur des Karlsruher Künstlers Werner Pokorny auf dem Vorplatz, bietet den Bühlern und natürlich den Gästen seit 1989 mit Musical, Operette, Theater, Konzerten und vielem mehr ein abwechslungsreiches Kulturprogramm. Gegenüber liegt die Mediathek (10). Die Architektur allein macht das Gebäude schon sehenswert! Mit ihrem reichhaltigen Angebot an Büchern, CDs, Spielen, DVDs und Videos lohnt es sich auch einen Blick ins Innere der 2001 eröffneten Mediathek zu werfen. Weiter geht es über den 1905 angelegten Stadtgarten (11). An seiner Stelle befanden sich zuvor der städtische Holzfang und Holzplatz: das in der Bühlot geschwallte Holz wurde hier aufgefangen und dann für die Bühler Bürger gelagert. Das Denkmal am Stadtgarten-Brunnen aus dem Jahr 1909 erinnert an Großherzog Friedrich I., der 1905 anlässlich der Gewerbeausstellung in Bühl weilte und bei der Bevölkerung sehr beliebt war.